16. Mär 2016

Interview: 25 Jahre PV-Handel bei BayWa r.e.

Allen Grund zum Feiern gibt es derzeit für BayWa r.e.: Das Photovoltaik-Handelsgeschäft des Unternehmens wird 25 Jahre alt! Günter Haug, heute Geschäftsführer von BayWa r.e., erinnert sich an die Anfangszeit zurück und wirft einen Blick in die Zukunft der Solarbranche.

Herr Haug, wie haben Sie die ersten Schritte im Solargeschäft erlebt?

"Als MHH Solartechnik 1991 in Tübingen gestartet ist, agierte der damalige Geschäftsführer Franz Heim ganz alleine. Als ich 1996 dazu kam waren wir noch ein sehr kleines Team in einem 1-Zimmer-Büro mit 2 Garagen. Als Vertriebsingenieur machte man dort alles: sowohl Beratung und Planung als auch noch die Montage von PV-Anlagen – auf Wohnhäusern, Schrebergartenhäusern sowie auf Wohnmobilen. Immerhin hatten wir schon ein Warenwirtschaftssystem für Angebote und Warenlieferungen an Installateure. Die Verkaufsunterlagen kopierten wir aus Herstellerunterlagen zusammen und den Messestand bauten wir selbst auf und ab. Da sind wir heute in allen Bereichen um Welten professioneller unterwegs."

Wie hat sich die Branche in den letzten 25 Jahren verändert?

"Die Kunden in den 90er Jahren waren meist Idealisten – sie wollten ihren Strom selbst produzieren. Photovoltaik rechnete sich kaum, da auf Basis des damaligen Stromeinspeisungsgesetzes der Überschußstrom mit 17 Pfennigen pro kWh vergütet wurde – und das bei Anlagenpreisen von umgerechnet 5000 €/kWp. Dies ist der Grund warum der Zubau der Photovoltaik in den 1990ern noch sehr zögerlich verlief. Dies änderte sich schnell im Jahr 2000, als das Stromeinspeisungsgesetz durch das EEG abgelöst wurde. Dank dessen verbesserter Förderung startete Deutschland mit der breiten Nutzung von Wind- und Solarenergie. Im PV-Bereich hatte dies einen enormen Zubau zur Folge, der immer neue Fabriken hervorbrachte, die Komponenten für PV-Anlagen produzierten. Durch die Volleinspeisung des PV-Stroms entwickelte sich die PV-Anlage zur Geldanlage – die Versorgung des Gebäudes trat in den Hintergrund. Nach dem der Preisverfall der Module und Änderungen im EEG stehen die Zeichen heute wieder auf Eigenverbrauch und verbrauchsnahe Erzeugung – PV ist heute fast ohne Förderung im Privatbereich wirtschaftlich und wird in Zukunft noch günstiger!"

Welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung auf Ihr Unternehmen? 

"Bis Ende 2009 ist unsere Mannschaft auf insgesamt 70 Angestellte gewachsen und wir haben Vertriebsbüros in mehreren deutschen Städten sowie eine Niederlassung in Frankreich eröffnet. Die Übernahme durch BayWa r.e. im Jahr 2010 markierte einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Geschichte unseres Unternehmens. Mit der BayWa AG im Rücken können wir bis heute international weiter expandieren. Wir haben uns zu einem der größten Systemanbieter von Photovoltaik-Anlagen in Europa entwickelt und decken alle Kompetenzbereiche und Leistungsangebote ab: Von der Beratung und Anlagenplanung bis hin zum Vertrieb sämtlicher PV-Komponenten. Diesen Service schätzen Fachha?ndler und Installateure sehr – und belohnen uns regelmäßig mit Bestnoten. In Deutschland sind wir gerade zum fünften Mal in Folge als „TOP PV-Zulieferer Großhandel“ ausgezeichnet worden. Besonders freuen wir uns, dass wir die Auszeichnung in diesem Jahr auch wieder für Italien und Großbritannien sowie erstmals für die Niederlande erhalten haben. Diesmal wurden wir zudem als „TOP PV Supplier Wholesale Europe“ ausgezeichnet."

Gerade die vergangenen Jahre stand die Solarwirtschaft unter einem schlechten Stern. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

"Der Zubau in Deutschland ist in den letzten 3 Jahren um insgesamt 80% eingebrochen. Dies hat viele Jobs gekostet. Durch die vielen Gesetzesänderungen ist bei vielen Endkunden leider der Eindruck entstanden, Photovoltaik lohne sich nicht mehr. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Kosten sind so stark gefallen, dass viele Leute eine PV-Anlage ohne Kredit kaufen. Einen wichtigen Impuls erfährt die Photovoltaik durch die immer besseren und günstiger werdenden Speicher, die es nun auch ermöglichen, sich mit über 50% durch Solarstrom zu versorgen. Wir spüren ein großes Interesse von Endkunden und dies lässt die Solarwirtschaft im Moment wieder verhalten optimistisch in die Zukunft blicken." 

Wenn Sie einen solchen Blick wagen: Welche Entwicklungen sind in den kommenden Jahren zu erwarten?

"Aufgrund der günstigeren Preise für Batteriespeicher gehen wir davon aus, dass der Absatz an PV-Anlagen wieder deutlich ansteigen wird. Immer mehr Menschen werden eine PV-Anlage mit Batteriespeicher kaufen und/oder sich ein Elektrofahrzeug anschaffen. Gerade das Laden von E-Fahrzeugen mit der eigenen PV-Anlage ist eine finanziell attraktive Kombination. So können wir die Energiewende ein gutes Stück vorantreiben. Eine Herausforderung für die Solarbranche liegt immer noch im Umbau des Energiemarkts: Zentrale Erzeugungseinheiten werden zugunsten dezentraler Erneuerbare-Energien-Anlagen zurückgefahren oder abgestellt. Es sind deshalb langfristig neue Mechanismen notwendig, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und immer mehr Grünstrom zum managen. Mit einem intelligenten Energiemix ist das möglich."

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Haug.

Weitere Informationen zur Auszeichnung „TOP PV-Zulieferer Großhandel 2016“ finden Sie in der aktuellen Pressemitteilung hier.

  • Felix Gmelin

    Felix Gmelin

     

    BayWa r.e. renewable energy GmbH

    T: +49 89 383932-5817