16. Sep 2014

Matthias Taft und Elke Hanel im Interview zur Wind Energy Hamburg

Matthias Taft (Vorsitzender der Geschäftsführung der BayWa r.e. renewable energy GmbH) und Elke Hanel (Geschäftsführerin der BayWa r.e. Wind GmbH, Tochtergesellschaft der BayWa r.e.) im Interview zu ihren Erwartungen an die Wind Energy, die Vorteile der BayWa r.e. dieses Jahr als Komplettanbieter im Windbereich auftreten zu können und ihre Einschätzungen zum aktuellen politischen Umfeld. Die Wind Energy Hamburg findet vom 23. bis 26. September 2014 statt. Den Messestand der BayWa r.e. renewable energy GmbH finden Sie in Halle B7.522.


Die Wind Energy wird dieses Jahr erstmals in dieser Form stattfinden und soll einen internationaleren Fokus haben als die Husum Wind. Was erwarten Sie sich von der Messe?

Elke Hanel:
Die Windkraftanlagenhersteller werden ihre neuesten Entwicklungen vorstellen. Wir erwarten interessante Gespräche mit Projektpartnern und freuen uns auf neue „Gesichter“. Wie auf der Husum Wind, wird auch diese Messe eine hervorragende Möglichkeit sein, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kontakte zu allen Akteuren im Bereich Windenergie zu knüpfen.
Da wir als BayWa r.e. Wind GmbH unseren Fokus nach wie vor stark auf dem deutschen Markt haben, benötigen wir vor allem performancestarke Windkraftanlagen auch für Binnenlandstandorte.

Matthias Taft:
Als BayWa r.e. renewable energy GmbH verstärken wir unsere Auslandsaktivitäten und wollen dies den Besuchern auf der Messe auch zeigen. So haben wir seit Kurzem eine Niederlassung in Edinburgh mit einem schlagkräftigen Team. Parallel planen wir die Expansion im polnischen Markt. In den USA realisieren wir derzeit zwei neue Windprojekte. Wir hoffen natürlich auch, dass wir neue potentielle Interessenten kennenlernen und diese von unseren umfassenden Leistungen überzeugen können. Außerdem freue ich mich besonders die Kollegen der Geschäftsführung aus den anderen Auslandsgesellschaften wie Schweden, Frankreich und Österreich auf der Messe zu begrüßen.

BayWa r.e. ist dieses Jahr erstmals als Komplettanbieter mit allen Teilbereichen aus dem Bereich Wind vertreten. Was ist das Besondere daran?

Matthias Taft:
Unter dem Dach von BayWa r.e sind viele Firmen mit einer langen Firmenhistorie gebündelt. Das Leistungsspektrum reicht damit vom PV-Handel, über die Projektentwicklung bis hin zur Betriebsführung von Wind- und Solarparks sowie Bioenergie- und Geothermiekraftwerken.
Zum ersten Mal ist nunmehr auf einer Windmesse der gesamte Windbereich der BayWa r.e. von der Projektentwicklung und -realisierung, über die Betriebsführung bis zum Rotorservice vertreten. In dieser Form für uns also dahingehend etwas Besonderes, da wir somit wirklich alle Leistungen aus einer Hand anbieten können.

Noch eine letzte allgemeine Frage. Wo steht die Windenergie im aktuellen politischen Umfeld?

Elke Hanel:
Allgemein scheint mit der Verabschiedung des EEG 2014 eine gewisse Beruhigung eingetreten zu sein. Aus meiner Sicht ist dies aus zwei Gründen ein Trugschluss. Einerseits können mit der nunmehr vorgesehenen Marktprämie durchaus noch Binnenlandstandorte realisiert werden. Dies ist aber nur deshalb möglich, weil die Zinsen für die Finanzierung dieser Projekte auf einem extrem niedrigen Niveau liegen. Sobald sich dies ändert, wird die Branche ganz schnell Probleme bei der Realisierung von Binnenlandstandorten bekommen. Zweitens, und das ist aus meiner Sicht viel weitreichender, wurde mit dem EEG 2014 ein Systemwechsel von einer fixen Einspeisevergütung, hin zur Ermittlung der Vergütungshöhe über Ausschreibungen verabschiedet. Die größte Herausforderung besteht für uns darin, aktiv an der Gestaltung der Rahmenbedingungen mit zu wirken und dabei dem besonderen, deutschen Markt mit seiner mittelständisch geprägten „Windenergiestruktur“ gerecht zu werden. 
Eine unserer wichtigsten Forderungen besteht zum Beispiel darin, dass die ausgeschriebenen Leistungen auch umgesetzt werden müssen.

Matthias Taft:
In Italien haben wir bereits festgestellt, dass eine zügige Realisierung bei einem zugewiesenen Tarif gewährleistet werden muss. Denn in der letzten Runde haben viele kleine Entwickler geboten, ohne die Absicht selbst zu bauen. Die Projekte kommen jetzt mit den niedrigen Tarifen auf den Markt und werden nicht umgesetzt, da sie unwirtschaftlich sind. Damit wird der Ausbau blockiert und der gewünschte Effekt von günstigem Windstrom geht verloren.
Auch Polen plant die Einführung von Ausschreibungen im Jahre 2016. Dort sind ebenfalls die Rahmenbedingungen noch nicht klar. Und in Großbritannien ist der Übergang von einem System mit Grünen Zertifikaten zu einem Modell des „Contract of difference“, de facto also einem Preis, der sich am Marktpreis orientiert, in Vorbereitung.
Bleibt abzuwarten, wie die Systeme sich in Einklang mit Marktfähigkeit und Kosteneffizienz, in Deutschland auch der Akteursvielfalt, bringen lassen. Oft wird in den Diskussionen übersehen, die Kosten anderer Energieträger als Wind oder den Erneuerbaren vollumfänglich mit einzurechnen.
Dadurch, dass BayWa r.e. aber in allen Energiearten sehr breit aufgestellt ist, haben wir die Möglichkeit, uns an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen und die für uns wichtigen Märkte bearbeiten zu können.


Frau Hanel, Herr Taft, vielen Dank für das Gespräch.


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Das Interview führte Cornelia Bracklow

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Matthias Taft, Vorsitzender der Geschäftsführung BayWa r.e. renewable energy GmbH

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Elke Hanel, Geschäftsführerin BayWa r.e. Wind GmbH